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Anja Janotta: Die Trabbel-Drillinge: Heimweh-Blues und heiße Schokolade

Die Trabbel-Drillinge-Reihe (Band 1, cbj)

Dass Zwillinge in der Literatur für Faszination und spannende Unterhaltung sorgen, weiß man spätestens seit Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“ oder Enid Blytons „Hanni und Nanni“. Wie groß ist jedoch die Chance, dass ein munteres Drillingsgespann für Trouble auf dem Lande sorgt? Vermutlich 1:200 Millionen. Denn genauso so hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eineiige Drillinge auf die Welt kommen, weiß die 12jährige Franka – die Hauptfigur in Anja Janottas Roman „Die Trabbel-Drillinge: Heimweh-Blues und heiße Schokolade“ (cbj). Und Franka muss es schließlich ganz genau wissen, denn sie ist eine von diesen sehr seltenen Drillingen.

Sie gleicht ihren Schwestern Vicky und Bella bis aufs Haar. Zumindest in der Schule, wenn sie unbemerkt in den schwierigen Fächern die Rollen tauschen, um sich gegenseitig zu helfen. Vom Wesen her unterscheiden sich die Mädchen, was einem jedoch nur auffällt, wenn man die Drillinge der Familie Trablingburg näher kennenlernt: Die zarte und schöne Bella ist stets auf ihr Aussehen bedacht, während Vicky mit ihrer Leidenschaft für Technik die schlauste der drei Schwestern ist. Franka, aus dessen Sicht das Buch erzählt wird, fühlt sich zwischen Bella und Vicky lediglich als die nette kleine Schwester, die jeden Streit schlichten und immer Kompromisse eingehen muss. Dabei ist auch Franka etwas ganz besonderes. Spätestens wenn sie in der Küche steht und ihre Kakaospezialitäten oder Pralinen zubereitet, liegt ihr die Familie zu Füßen. Und dennoch gibt es Momente, in denen sie nichts mehr retten kann und das Chaos ausbricht. So kann sie nicht verhindern, dass eines Tages ein Interview mit den Drillingen in der Zeitung erscheint, in dem sie als überhebliche Zicken beschrieben werden. Dass ihre Mutter den Umzug in das Dorf Deininghofen plant, wo sie in einem alten Haus ihrer Familie ein Bio-Hotel eröffnen will, finden die Drillinge keinesfalls verhandelbar. Aber nachdem sie durch das Zeitungsinterview zutiefst in ihrer Ehre gekränkt sind, scheint der Umzug doch gar nicht einmal so falsch zu sein. Dieser Ansicht bleiben sie jedoch nicht lange treu, als sie sich in einem heruntergekommenen Haus wiederfinden, wo es noch nicht einmal W-Lan gibt. Heimweh plagt die Mädchen und auch die neuen Klassenkameraden, die eine regelrechte Abneigung gegen die Drillingen an den Tag legen, erleichtern ihnen die Eingewöhnung in ihr neues Zuhause nicht. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit den Mitschülern und auch die Schwestern geraten sich mächtig in die Haare. Doch da sie nicht zurückkönnen, müssen sich alle zusammenraufen. Glücklicherweise steht unerwartet ihre Großmutter Eleonore vor der Tür und verspricht, mit anzupacken. Unterstützt werden die fünf Trablingburg-Damen von Onkel Flo, der ebenfalls die Ärmel hochkrempelt und dabei hilft, das alte Haus in ein Hotel zu verwandeln. Während sich die Familie einig ist, dass ihr Hotel der schönste Ort im Dorf ist, legen ihnen die anderen Dorfbewohner immer wieder Steine in den Weg. Allen voran planen die Klassenkameraden der Drillinge zahlreichen Schabernack, um die Städter doch noch aus ihrem Dorf zu vertreiben. Aber die Trabbels, wie sie liebevoll von ihrer Mutter Babs genannt werden, lassen sich nicht unterkriegen. Sie färben sich die Haare pink, setzen damit optisch ein Zeichen und sich gegen jegliche Kontrahenten zur Wehr. Letztendlich müssen die Deininghofer erkennen, dass man die Familie Trablingburg einfach gern haben muss.
Anja Janotta erzählt die humorvolle, spannende und bodenständige Geschichte der Drillinge mit soviel Freude und Euphorie, dass man sie ab der ersten Seite einfach mögen muss. Die gesamte Handlung ist szenisch beschrieben, sodass vor dem inneren Auge des Lesers Bilder entstehen, die einem Familienfilm nahe kommen. Jeder einzelne Charakter ist mit prägnanten Merkmalen und Eigenschaften ausstaffiert, sodass sich die Drillinge zwar äußerlich gleichen, vom Wesen her aber auf faszinierende Art unterscheiden. Die Diskrepanz zwischen den Dorfbewohnern und den neuen Nachbarn kennt Anja Janotta aus eigener Erfahrung. Da sich diese in die Geschichte einfließen ließ, wirkt diese zu keinem Zeitpunkt überspitzt, sondern bodenständig und authentisch. Gerade dadurch fasziniert das Buch, das ohne jegliche Magie und Zauberei auskommt. Der Zusammenhalt der Familie und der gemeinsame Traum von dem Hotel werden sehr anschaulich thematisiert. So wünscht man sich als Leser, selbst einmal in dem Hotel der Trabbels Gast zu sein.

Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues und heisse Schokolade von Anja Janotta

Daten
Verlag: cbj
Autor: Anja Janotta
Titel: Die Trabbel-Drillinge-Reihe
Seiten: 221
Preis: 13,00€
gebundene Ausgabe
Alter: ab 10 Jahren
ISBN: 978-3-570-17536-1