James Bond – Keine Zeit zu Sterben

James Bond: Not Time to Die
Ab 30. September im Kino

Regie: Cary Joji Fukunaga

Daniel Craig – James Bond
Léa Seydoux – Madeleine Swann
Rami Malek – Lyutsifer Safin
Ralph Fiennes – Mallory/M
Christoph Waltz – Ernst Stavro Blofeld
Ben Wishaw – Q
Naomie Harris – Ms. Moneypenny
Jeffrey Wright – Felix Leite

James Bond (Daniel Craig) hat seine Lizenz zum Töten im Auftrag des britischen Geheimdienstes abgegeben und genießt seinen Ruhestand in Jamaika. Die friedliche Zeit nimmt ein unerwartetes Ende, als sein alter CIA-Kollege Felix Leiter (Jeffrey Wright) auftaucht und ihn um Hilfe bittet. Ein bedeutender Wissenschaftler ist entführt worden und muss so schnell wie möglich gefunden werden. Was als simple Rettungsmission beginnt, erreicht bald einen bedrohlichen Wendepunkt, denn Bond kommt einem geheimnisvollen Gegenspieler auf die Spur, der im Besitz einer brandgefährlichen neuen Technologie ist. (Pressetext)

B25_39456_RC2 James Bond (Daniel Craig) and Paloma (Ana de Armas) in NO TIME TO DIE,  an EON Productions and Metro-Goldwyn-Mayer Studios film Credit: Nicola Dove © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM.  ALL RIGHTS RESERVED.

Vorab die Antwort auf die offensichtliche Frage, ob sich das Warten gelohnt hat?
Ja, wäre da nicht… Aber dazu später mehr

Der neue Bond spielt 5 Jahre nach Spectre und knüpft lose an die Geschehnisse an. Es ist also von Vorteil Spectre (noch einmal) zu schauen, oder sich wenigstens an die wesentlichen Charaktere und das Ende zu erinnern. Die bekannten und beliebten Gesichter sind alle wieder dabei, manche zum letzten Mal und damit meine ich nicht nur Daniel Craig.

Regisseur Fukunaga liefert einen „fast-Standard-Bond“ ab, mit einigen kleinen, aber wesentlichen Abweichungen beim Umgang mit seinen Charakteren und Details. Da ich davon ausgehe, dass alle Leserinnen und Leser die Standards der 24 Bond-Filme davor kennen (Locations, Action, schöne Frauen, schnelle Autos, explosive Gadgets), möchte ich etwas – ohne zu spoilern – auf die Abweichungen eingehen.

B25_24126_R Dr. Madeleine Swann (Léa Seydoux) in  NO TIME TO DIE,  an EON Productions and Metro-Goldwyn-Mayer Studios film Credit: Nicola Dove © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM.  ALL RIGHTS RESERVED.

Eins muss ich allerdings doch spoilern: Die süditalienische Stadt Matera ist Handlungsort am Anfang des Films und sieht so malerisch aus, dass ich geneigt bin, den nächsten Italienurlaub auf dieses Städtchen auszuweiten.

Isiwal/Wikimedia Commons/CC BY-SA 4.0

Drehbuchautoren und Regisseur haben sich sichtlich Mühe gegeben, diesen Film modern wirken zu lassen, was sich nicht auf Nachdrehs bezieht, damit auch wirklich noch das letzte Product placement ja aktuell ist, sondern auf die Schwingungen der Zeit bei Gleichberechtigung, #Me Too und anderen Dingen, die die Jugend von heute wohl angeblich so wichtig finden. Als erstes musste dafür James Bond ein wesentliches Charakterelement herausoperiert werden: Sein Machismus passt nicht mehr. Bye bye Sean Connery!
Und wenn schon alte Zöpfe abgeschnitten werden, dann gleich noch bye bye Roger Moore!
„Keine Zeit zu sterben“ ist der humorloseste Bond aller Zeiten.

B25_25594_R James Bond (Daniel Craig) prepares to shoot in  NO TIME TO DIE, an EON Productions and Metro-Goldwyn-Mayer Studios film Credit: Nicola Dove © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM.  ALL RIGHTS RESERVED.

Dafür gibt es viele neue Seiten zu entdecken. Noch nie weinte ein Bond-Girl, ups, eine Bond-Woman, so schön, ausgiebig und herzzerreißend wie Léa Seydoux und noch nie hatte ein 007 soviel längere Monologe (mit Inhalt) und noch nie war ein Bond so überraschend.
Das (schwarze) Frauen noch wichtigere Rollen als vorher bekommen haben, ist dabei schon fast im positiven Sinne nebensächlich. Leider nur fast, denn es wirkt etwas zu sehr gewollt. Political Correctness und das Vermeiden von jeglichen Shitstormpotentialen scheint heutzutage das oberste Credo zu sein. Dabei wäre es schön, wenn Frauen und Männer einfach nur immer gleichgestellt wären, ihren Job machen würden und ich überhaupt nicht so einen extra Satz schreiben müsste. Nachdem nun überall „starke Frauen“ als Protagonistinnen auftauchen, hoffe ich auf eine richtige miese Schurkin à la Sophie Marceau hoch zehn im nächsten Film, damit hier auch mal Gleichberechtigung herrscht.

Schön ist allerdings, dass der Oberschurke weder Araber, noch Russe, noch Chinese oder Nazi ist. Nicht so schön, dass Bonds Gegenspieler ein wenig blass bleibt.

Diese kleinen Nuisancen sind aber nicht das „Wäre da nicht…“ von oben.
Es ist der Soundtrack!
Wer zum Teufel hat Hans Zimmer da rangelassen?
Nachdem der ursprünglich verpflichtete Dan Romer wegen kreativer Differenzen das Projekt aufgegeben hat, musste ein Ersatz gefunden werden. Aber gerade Hans Zimmer?
Bah, der Mann legt einen Schmalzsoundteppich über den Film, das man an den Frames kleben bleibt.

Versucht hier Craig Seydoux zu erklären, dass er nicht für die Verpflichtung von Hans Zimmer verantwortlich ist?

Das hat zwar nicht den ganzen Film versaut, aber macht das sonst gelungene Gesamtpaket banaler als es sein müsste. Ein bisschen rettet Billie Eilish mit ihrem sehr traurig interpretierten Titelsong die akustische Abteilung,

Vieles hat sich geändert, manches subtil, manches sehr auffällig. Die 163 Minuten vergehen schnell und sind aufregend gefüllt. Es ist ein guter, moderner und trotzdem polarisierender Bond geworden.
Das Warten hat sich gelohnt!

B25_24872_C Nomi (Lashana Lynch) and James Bond (Daniel Craig) in  NO TIME TO DIE,  an EON Productions and Metro-Goldwyn-Mayer Studios film Credit: Nicola Dove © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM.  ALL RIGHTS RESERVED.

© Johann Hoffmann, Bilder: Universal Pictures/MGM

Killer’s Bodyguard 2

The Hitman’s Wife’s Bodyguard
ab 26. August 2021 im Kino

Regie: Patrick Hughes

Salma Hayek – Sonia
Ryan Reynolds – Michael Bryce
Samuel L. Jackson – Darius Kincaid
Morgan Freeman – Michael Bryce Sr.
Antonio Banderas – Aristoteles Papadopolous

Sie sind wie Hund und Katze, Himmel und Hölle, Whitney und Britney: Bodyguard Michael Bryce (Ryan Reynolds) und Auftragskiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson)! Das seltsamste tödliche Paar der Welt ist zurück und begibt sich erneut auf eine lebensgefährliche Mission. Bryce – immer noch ohne Lizenz und gerade in einem absolut notwendigen Sabbatical – wird von Kincaids noch unberechenbarerer Ehefrau, der international gesuchten Verbrecherin Sonia (Salma Hayek), zurück in den Dienst gezwungen. In kürzester Zeit treiben ihn seine hochgefährlichen Schützlinge einmal mehr in den Wahnsinn und darüber hinaus findet sich das Trio plötzlich in einen globalen Konflikt verwickelt: Europa gegen einen rachsüchtigen und gefährlichen Irren (Antonio Banderas) – Bryce und die Kincaids mittendrin! (Pressetext)

HWB_D04_00983.RAF

Was erwarten wir von einem Sequel? Richtig: Mehr, größer, besser, explosiver, witziger, spannender.
Was bekommen wir meistens? Mehr, größer, explosiver.
Nach meiner kruden Rechnung genügt also eine durchschnittliche Fortsetzung nur zur Hälfte unseren Erwartungen. Besonders, wenn es Michael Bay Filme sind und „Transformer“ im Titel tragen, aber das nur nebenbei.

Glücklicherweise gibt es Ausnahmen und ja, eine dieser Ausnahmen ist „Killer’s Bodyguard 2“.
Es gibt mehr von guten Schauspielern, allen voran die manische Salma Hayek, mehr von interessanten Orten, diesmal vor allem Südosteuropa und noch mehr mehr.

Das alles größer aufgezogen wird und deutlich explosiver ist, liegt nach dem überraschenden finanziellen Erfolg des ersten Teils nahe. Aber das eigentlich Gute an diesem Film für Jungs ist, dass es gelungen ist, noch mehr Witz einzubauen.

Klar ist es in weiten Teilen Overkill und verdammt unrealistisch und ja, der letzte Punkt „Spannung“ geht auch hier flöten, aber alle Logiklöcher und belanglosen Nebencharaktere interessieren nicht, wenn Salma sexy über die Leinwand rauscht, Ryan mal wieder derb verarscht wird und Samuel eineiig seiner Herzensdame hinterher hechelt.

Das Trio kombiniert Action und derbe Flüche so gekonnt mit politisch unkorrektem und oftmals weit unter der Gürtellinie liegendem Humor, dass es eine Freude ist. „Weit unter der Gürtellinie“ heißt in diesem Fall zum Glück nicht, dass es billige Pipi-Kaka Gags wären. So absurd manche Witze und Szenen auch sind, diese Gratwanderung gelingt haarscharf.

Trotz meiner Freude während des Films und der guten Laune, mit der ich aus dem Kino gegangen bin, möchte ich aber nicht verschweigen, dass die Handlung wirklich grottig ist. Antonio Banderas als Superschurke gibt sich zwar große Mühe, aber Netzwerkknotenpunkte anschneiden, um Griechenland wieder groß zu machen? Hilfe! Wenn da irgendwo eine tiefere Ironie stecken sollte, ist es an mir komplett vorbeigegangen.

Auch der komplette Interpol Teil wirkt, als hätte man einige entscheidende Szenen beim Cut aus Versehen rausgeschnippelt, was aber nicht sein kann, der Film ist schon 2 Stunden lang.
Der Besuch im Kino sollte also nicht in Erwartung einer guten Story sein, sondern in der Hoffnung, ein furioses Action-Comedy-Trio über die Leinwand wirbeln zu sehen und richtig viel Spaß zu verbreiten.

Diese Hoffnung wird erfüllt und gute Laune bis zur allerletzten Szene garantiert.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass wie schon beim ersten Teil nicht nur das Fluchen komplett unzensiert ist, sondern auch der Blut- bzw. Gorefaktor für einen Mainstream Film ziemlich hoch ist.

© Johann Hoffmann, Bilder: Fox

Candyman

ab 26.08.2021 im Kino

Regie: Nia DaCosta

Yahya Abdul-Mateen II – Anthony McCoys
Teyonah Parris – Brianna Cartwright
Nathan Stewart-Jarrett
Colman Domingo – William Burke
Tony Todd – Daniel Robitaille

Ein Jahrzehnt nach dem Abriss des letzten Wohnturms hat die Gentrifizierung auch das Viertel Cabrini Green erreicht. Die einstige Sozialwohnungssiedlung ist längst zu einem Hotspot für Besserverdiener und aufstrebende Millennials geworden – so beziehen dort auch der Künstler Anthony (Yahya Abdul-Mateen II; Watchmen, Wir) und seine Freundin, die Galeristin Brianna (Teyonah Parris; Beale Street, The Photograph), eine luxuriöse Eigentumswohnung. Als Anthonys Künstler-Karriere ins Stocken gerät, erfährt er durch einen alteingesessenen Bewohner (Colman Domingo; Euphoria, Assassination Nation) von den ebenso tragischen wie grausamen Hintergründen der Candyman-Legende. Bemüht, seinen Status in der Chicagoer Kunstwelt zu erhalten, beginnt Anthony, makabre Details als Inspiration für neue Werke zu nutzen. Er ahnt nicht, dass er dadurch ein totgeglaubtes Grauen wiedererweckt und eine erneute Horror-Welle von Gewalt und Tod auslöst, die ihn weit mehr kosten könnte als seine Karriere … (Pressetext)

Yahya Abdul-Mateen II as Anthony McCoy in Candyman, directed by Nia DaCosta.

Es scheint, dass jede Generation Horrorfilme braucht, und wenn es keine neuen Ideen gibt, wird halt ein Sequel gemacht. Bei dieser neuen Candyman Verfilmung wird die Story geschickt in unsere Zeit gehoben und gegenüber dem Original von 1992 eine erheblich afroamerikanischere Sicht auf die Urban Legend geworfen.

(from left) Anthony McCoy (Yahya Abdul-Mateen II) and Anne-Marie McCoy (Vanessa Williams) in Candyman, directed by Nia DaCosta.

Das spiegelt sich (Wortspiel beabsichtigt) ín der Wahl der Schauspieler wider, es sterben nur Weiße, die Protagonisten sind, von einem Quotenhomosexuellen abgesehen, allesamt schwarz. Was grundsätzlich okay ist, wenn die Story so Sinn ergibt, allerdings schießt hier die Regisseurin meiner Ansicht nach übers Ziel hinaus. Während früher die „Neger“ die Bösen waren, sind jetzt die „Weißen“ dran, nur dass sie im Film eigentlich gar nicht alle böse sind.

Teyonah Parris as Brianna Cartwright in Candyman, directed by Nia DaCosta.

Rassendiskriminierung gegenüber den amerikanischen Minderheiten, die zu Recht heutzutage verdammt wird, einfach umzudrehen und die Weißen bluten zu lassen (wieder ein Wortspiel), macht diesen Film vielleicht zu einem Kultstreifen für einige Afroamerikaner, aber noch lange nicht zu einem Meisterwerk.

Metaebenen, universelle Wahrheiten oder einfach nur Verbindungen zwischen zwei unterschiedlichen Gruppen, wie es gute Filme zeigen, manchmal auch nur andeuten und damit dieses Medium zu einem Bindeglied für eine Gesellschaft machen können – Fehlanzeige.

Yahya Abdul-Mateen II as Anthony McCoy in Candyman, directed by Nia DaCosta.

Das ist besonders deshalb ärgerlich, weil ich als alter, weißer, privilegierter Mann jetzt so etwas schreiben muss und mich damit in eine angreifbare Position begebe, die ich gar nicht einnehmen wollte. Ich sehe einen Idris Elba genau so gern wie einen Daniel Craig, aber keinen plumpen Propagandafilm.

Nun schimpfe ich über den in einer perfekten Welt eigentlich unwichtigsten Teil des Films, nämlich die Hautfarbe der Protagonisten, während ich Candyman als Horrorfilm für die junge Generation wegen seiner interessanten visuellen Effekte durchaus gelungen halte. Wäre die Antidiskriminierungsbotschaft der jungen Regisseurin genauso subtil wie mancher Spezialeffekt eingesetzt worden, würde ich jetzt über einen sehenswerten Genrefilm jubeln. Dass es auch nicht subtil besser funktionieren kann, zeigt der männerfeindliche Revengethriller „Promising Young Woman„.

Candyman, in silhouette, in Candyman, directed by Nia DaCosta.

Manchmal ist es eine Kleinigkeit, die einen Film nicht zum Highlight der Woche/des Monats/ des Jahres werden lässt.
Bei Candyman ist es der woke Holzhammer, der mich stört.

© Johann Hoffmann, Fotos: Universal

Promising Young Woman

Ab19. August 2021 im Kino

Regie: Emerald Fennell

Carey Mulligan – Cassy (Cassandra)
Laverne Cox – Gail
Bo Burnham – Ryan
Alison Brie – Madison
Jennifer Coolidge – Susan
Clancy Brown – Stanley

Sie ist verführerisch, extrem gerissen und ihre Rache wird bittersüß! Von Cassie (Carey Mulligan) hieß es immer, sie sei eine vielversprechende junge Frau. Aber jetzt findet man sie immer öfter abends, vermeintlich betrunken, in einer Bar. Welcher Mann erwartet da noch etwas von ihr – außer leichte Beute zu sein? Ein fataler Irrtum … (Pressetext)

Carey Mulligan (left) stars as "Cassandra" and Sam Richardson (right) stars as "Paul“ in director Emerald Fennell’s PROMISING YOUNG WOMAN, a Focus Features release.   Credit : Merie Weismiller Wallace / Focus Features

Ein wichtiger Grund, warum ich koreanische Filme besonders aus den späten Nullerjahren so gern sehe, ist die Fähigkeit der dortigen Filmemacher zwei eigentlich nicht passende Genres geschickt miteinander zu verknüpfen. In Hollywood gibt es das erheblich seltener. Während Action und Komödie gern gemischt wird und Romantische Komödie eigentlich schon gar nicht mehr als Kombination von zwei Genres gilt, ist der Romantische Thriller oder die Thrillerkomödie die Ausnahme.

Carey Mulligan stars as "Cassandra" in director Emerald Fennell’s PROMISING YOUNG WOMAN, a Focus Features release.   Credit: Courtesy of Focus Features

Fennell schafft es mit ihrem Erstlingswerk jedoch, einen präzisen Blick auf eine sexistische Welt zu werfen, aber gleichzeitig einen Thriller mit urkomischen Situationen verpackt in eine Romanze zu entwickeln.
Es klingt, als würde das schiefgehen müssen, meine Gefühle im Film waren anfänglich auch genauso ambivalent, wie die Protagonistin als solche. Aber es funktioniert.

Carey Mulligan (left) stars as "Cassandra" and Bo Burnham (right) stars as "Ryan“ in director Emerald Fennell’s PROMISING YOUNG WOMAN, a Focus Features release.   Credit: Justin Lubin / Focus Features

Die Geschichte wird witzig entfaltet, gleichzeitig bleibt einem beim Schauen das Lachen im Halse stecken.
Sind Männer wirklich alle solche Arschlöcher? Der Film sagt ja und bietet Beispiel auf Beispiel. Trotzdessen hatte ich nie das Gefühl, dass billig auf der MeToo Welle geritten wird. Jeder Zuschauer wird Situationen oder Personen wiedererkennen, muss sich aber nicht angesprochen fühlen, oder doch?

Carey Mulligan stars as "Cassandra" in director Emerald Fennell’s PROMISING YOUNG WOMAN, a Focus Features release.   Credit: Courtesy of Focus Features

Carey Mulligan trägt diesen Film mit ihrer zwischentonreichen Performance bis zum unerbittlichen Finale, mein einziger Kritikpunkt ist Bo Burnham, der als Komiker vielleicht sehr gut ist, aber als Love Interest eher hölzern herüberkommt.

Carey Mulligan stars as "Cassandra" in director Emerald Fennell’s PROMISING YOUNG WOMAN, a Focus Features release.   Credit: Courtesy of Focus Features

Fazit: Ein fieser kleiner Oscar Kandidat mit durchgängig miesen Kerlen und ohne riesen Tam Tam, von hinten durch die Brust ins Herz.

©Johann Hoffmann Fotos: Universal/Focus Features

Fast & Furious 9

ab 15.Juli 2021 im Kino

Regie: Justin Lin

Vin Diesel – Dom Toretto
Michelle Rodríguez – Letty
Tyrese Gibson – Roman
Chris „Ludacris“ Bridges – Tej
Jordana Brewster – Mia
Sung Kang – Han
John Cena – Jakob
Helen Mirren – Queenie
Kurt Russel – Mr.Nobody
Charlize Theron – Cipher

Egal, wie schnell du bist, die Vergangenheit wird dich immer einholen.

Zu Beginn seines neuen Abenteuers ist Dom Toretto (Vin Diesel) abgetaucht und genießt mit Letty und seinem Sohn Brian das ruhige Leben auf dem Land. Doch Dom und Letty wissen sehr genau: Ihr friedliches Idyll ist ständig in Gefahr. Diesmal ist Dom durch eine neue Bedrohung gezwungen, sich seiner Vergangenheit zu stellen, wenn er die Menschen, die er am meisten liebt, beschützen will. Und so bringt er noch einmal seine Crewzusammen, um eine weltweite, extrem gefährliche Verschwörung zu stoppen, deren Anführer der skrupelloseste Auftragskiller ist, dem sie bisher begegnet sind. Und das ist noch nicht alles: Es handelt sich dabei um Doms verloren geglaubten Bruder Jakob.

Für Fast & Furious gibt es 3 Aufzählungen, die gleichermaßen gelten:
Trash – Trashiger – Fast&Furious9 ,
Absurd – Absurder – Fast&Furious9 und
Geil – Geiler – Fast&Furious9

Selten habe ich mich in einem Film, den man mit Fug und Recht als größten Scheiß bezeichnen könnte, mehr amüsiert, als bei Fast & Furious 9.
(Fast) Alle Filme der Reihe haben auf ihre Weise Spaß gemacht und mit jedem weiteren Sequel wurde die Messlatte für Action weiter in nach oben gelegt (und die für Glaubwürdigkeit nach unten).
Nach jedem Teil habe ich gedacht, jetzt hören sie auf, es kann nicht noch mehr geben, aber ich wurde eines besseren belehrt. Die Macher strotzen offensichtlich vor Ideen und durften sich so richtig austoben.

Für F&F9 musste ich einen bekannten Spruch abwandeln: „ist der Wahnsinn etabliert, dreht man gänzlich ungeniert.“ Das ist als Kompliment aufzufassen, wo sonst Sequels inhaltlich eher zahm sind, wird hier aus dem Vollen geschöpft.

„Das ist doch alles Quark. – Egal, gib mir mehr davon!“ Passt wahrscheinlich für die Drehbuchautoren genauso wie für den staunenden Zuschauer.
Das ist Popcornkino vom allerfeinsten.

Was für ein Hammer von Film!

©Johann Hoffmann, Fotos: Universal

Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht

Yes, God, Yes
ab 18. Januar 2021 bei Amazon Prime Video
ab 5. Februar 2021 als DVD, Blu-ray und digital zum Leihen

Natalia Dyer – Alice
Alisha Boe – Nina
Francesca Reale – Laura
Wolfgang Novogratz – Chris
Timothy Simons – Vater Murphy
Susan Blackwell – Gina

Als Teenager hat man es nicht leicht. Schon gar nicht, wenn man wie Alice (Natalia Dyer) in einem streng katholischen Haushalt im ländlichen Teil der USA aufwächst. In der Schule wird ihr beigebracht, dass Sex vor der Ehe eine Sünde ist und auch Masturbation auf direktem Weg in die Hölle führt. Alice kommt ins Grübeln: Nicht nur, weil sie sich die Sexszene aus „Titanic“ immer wieder gerne ansieht, auch beim Onlinechat lässt sie sich zu unkeuschen Handlungen hinreißen – was stimmt nur nicht mit ihr? Vier Tage in einem Kirchenlager sollen Alice wieder auf den rechten Weg bringen. Gruppenbeichten, Bibelstunden und Gebete stehen auf der Tagesordnung. Doch wie soll Alice sich hier auf ihre christlichen Werte besinnen, wenn der süße Footballstar Chris ihr ständig über den Weg läuft? (Pressetext)

Jeder kennt diese kleinen Filme, die es verdient hätten, im Kino zu laufen, dann aber doch nur auf Arte um 23:45 zu sehen sind. Noch tragischer hat es „Yes, God, Yes“ erwischt. Eigentlich sollte diese Perle auf der großen Leinwand zu sehen sein, doch dann kam mit der nicht enden wollenden Pandemie alles anders.

Wenigstens hat sich der Verleih entschieden, den Film auf DVD und Amazon Prime Video rauszubringen, was uns in die glückliche Lage versetzt, eine DVD an die treue Leserschaft verlosen zu können, aber dazu unten mehr.

Yes, God, Yes kommt im leichten Gewand einer Coming-of-Age-Komödie daher, ist auch eine und trotzdem mehr. Als ich den Film geschaut habe, war Trump noch im Amt und mehr als einmal dachte ich, kein Wunder. Es ist also eine Gesellschaftsbeobachtung und -kritik, die sanft und leichtfüßig von einer überaus charmant spielenden Dyer präsentiert wird und nebenbei noch ein bisschen fortgeschrittenes Wissen über Sexualpraktiken vermittelt. (Ich kannte wie die Protagonistin die Formulierung „Toss the salad“ nicht, was in der deutschen Version zu „die Sahne geschlagen“ wird, was mir ebenfalls nichts sagte.)

Yes, God, Yes ist das Langfilmdebüt der Regisseurin, die damit einen eigenen Kurzfilm von 2017 noch einmal verfilmt hat. Obwohl es ein kleiner Film ist, lohnt sich das Ansehen, denn die Beteiligten schaffen es, Stimmungen realistisch einzufangen und die Absurdität mancher (religiöser) Situationen ohne Hähme zu zeigen.

In der grauen Jahreszeit und bei den auch in 2021 noch herrschenden Umständen, ist es besonders schön, für eine(n) glückliche(n) Leser(in) ein kleines Trostpflaster zur Verfügung stellen zu können. Wir verlosen 1 DVD des Films! Beantwortet einfach folgende Frage:

Mit welcher Rolle wurde die Hauptdarstellerin Natalia Dyer berühmt?

Schickt die Lösung an info @ schwarzlicht . tv mit dem Betreff „Yes, God, Yes“ und mit etwas Glück landet schon bald die DVD in Eurem Briefkasten.
Einsendeschluß ist der 7.2.2021 und wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen.
Die Daten werden nur kurzzeitig für das Gewinnspiel gespeichert und für den Versand der DVD genutzt.

Viel Glück und allen, die diesmal nicht gewinnen, die Empfehlung, den Film auf Amazon Prime Video anzusehen.

Weihnachtsverlosung

Weihnachten steht bald vor der Tür. Was gibt es schöneres, als sich bereits jetzt auf die besinnlichen Tagen einzustimmen. Mit den romantischen Weihnachtsfilmen Mein Weihnachtsprinz – Die Liebe meines Lebens und Mein Weihnachtsprinz – Die Königliche Hochzeit gelingt dies bestimmt. Aus diesem Grund verlosen wir ein Set, bestehend aus beiden Filmen auf DVD.

Wer das Filmpaket gewinnen will, beantwortet bis zum 13.11.2020 die folgende Frage richtig:

Wie heißt die persönliche Assistentin des Prinzen?

Schickt die Antwort an: info(at)schwarzlicht.tv
Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen, wir drücken die Daumen!

Die erhobenen Daten (Name, Anschrift, e-Mail) werden ausschließlich für das Gewinnspiel gespeichert.

Freikarten: The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte

1 x 2 Freikarten zu verlosen!

The Mortuary Collection
ab 22. Oktober 2020 im Kino

Regie: Ryan Spindell

Clancy Brown – Montgomery Dark
Caitlin Fisher – Sam
Jacob Elordi – Jake

Wer in Raven’s End stirbt, landet auf dem Tisch von Leichenbestatter Montgomery Dark (Clancy Brown). Niemand kennt die Toten und ihre Geheimnisse besser als er. Von der Grabrede über die letzte Salbung bis hin zur Verbrennung im hauseigenen Krematorium: Die Verstorbenen sind bei ihm in besten Händen. Als sich die furchtlose Sam (Caitlin Fisher) bei ihm um eine Stelle bewirbt, ist er beeindruckt von ihrer Faszination für das Morbide. Doch je tiefer er die junge Frau in die dunklen Katakomben seines Anwesens führt, desto klarer wird ihr, dass man die Toten besser ruhen lässt. (Pressetext)

Es ist ein bisschen riskant, mir eine Rezension von einem Horrorfilm anzuvertrauen. Als abgebrühter aber auch ermüdeter Horrorfilmseher sind mir die meisten Filme entweder zu seicht (ich sage immer Jack Black Gruselchen) oder zu brutal. Und wenn mittendrin, dann sehe ich nur frühere Filme, von denen abgekupfert wurde.
Der Grusel von „The Mortuary“ ist fast jugendgeeignet, denn auch wenn einige Szenen ziemlich heftig ausfallen, hält sich der Film so zurück, dass es hier in Deutschland eine FSK 16 Einstufung geben wird. Die Effekte sind schön gemacht, eine „gefleischwolfte“ Hand oder ein explodierender Penis bleiben dem einen oder anderen vielleicht auch in der Nacht nach dem Film noch erhalten. Gut so.
Damit fällt er schon mal in die für mich angenehme Kategorie „mittendrin“ mit einem Hang zu „Jack Black“.

Aber gerade weil es eine Anthologie ist, also mehrere Episoden in einem Langfilm vereint sind, gibt es verdammt viele Ähnlichkeiten zu anderen Filmen: „Geschichten aus der Gruft“ von damals, „Scary Stories to tell in the dark“ noch ziemlich aktuell, aber auch „ES“ und „Dark Shadows“.
Damit würde ich den Film eigentlich in eine Ecke schieben wollen, wäre nicht einige wirklich schön gemachte Dinge im Film.

So ist die „Babysitter Morde“ Geschichte perfekt inszeniert. Es ist wirklich ein Highlight wie die Verbindung von Horror-Klassiker und diesem Film hergestellt wurde. Aber auch die anderen Geschichten glänzen mit kleinen aber feinen Einfällen. Manches wiederum ist vorhersehbar und naja, dem Genre geschuldet. Aber das Zielpublikum wird auch noch nicht so viele Horror- oder Mysteryfilme gesehen haben, wie ich.

Während die Begleitmusik genretypisch ist, gefallen mir die zu den jeweiligen Einzelgeschichten gehörenden Songs richtig. Sie passen zur Zeit in der sie spielen, oder besser gesagt, zu der Inszenierung des jeweiligen Geschichte, denn eine richtige zeitliche Einordnung vermeidet der Film. Ich habe sogar versucht, einige Songs zu shazamen, bis ich beim Abspann herausgefunden habe, dass die Mondo Boys den kompletten Score und alle Songs zu verantworten haben.


Ich bin also insgesamt zufrieden mit dem Film, sags aber so deutlich wie ich es empfunden habe: Hartgesottene werden diesen Film als zu lasch empfinden. Es ist ein Film für den angenehmen Grusel.

Und damit Ihr Euch selbst ein Bild machen könnt, gibts mal wieder Freikarten!

Bis zum 23.10. eine Mail an info ( at ) schwarzlicht . tv gesandt, mit dem Betreff „The Mortuary“ und mir noch schnell den Lieblingsgrusel- oder Horrorfilm zur Adresse in den Text gepackt, damit ich weiss, dass Ihr es ernst meint und dann gibts für eine glückliche Gewinnerin oder einen glücklichen Gewinner 1×2 Freikarten!
(Vielen Dank an Capelight, die uns die Freikarten zur Verfügung gestellt haben und sich vor allem trauen, in diesen miesen Zeiten einen Film ins Kino zu bringen.)

Freikarten „Follow Me“ und mehr

Das war ja umwerfend!
Mit so einer großen Reaktion auf unsere 2 x 2 Freikarten haben wir nicht gerechnet.
Ihr wollt also wieder ins Kino gehen.
Gut so!

Wenn Ihr nicht Marlies F. aus Essen oder Bertram S. aus Erfurt seid, könnt Ihr gern trotzdem ins Kino gehen und die Filmindustrie mit dem Kauf von Tickets unterstützen, damit auch weiterhin Filme dafür produziert werden können, wo sie hingehören, nämlich ins Kino.

Dafür bietet sich aktuell zum Beispiel TENET an, der zwar nicht der großartigste Nolan-Film aller Zeiten ist, aber dennoch sehr gut als krachender Wiedereinstieg ins Kinoleben taugt.

Für die Ängstlichen oder Gefährdeten, die das Heimkino weiterhin bevorzugen, gibt es als Empfehlung ab heute „Mulan“ auf Disney+.
Auch hier gilt: NIcht der beste Disney Film aller Zeiten, aber ein überraschend guter Film über Emanzipation und Edelmut aus einer exotischen Welt.

TENET

ab 26. August 2020 im Kino

Regie: Christopher Nolan

John David Washington – Der Protagonist
Robert Pattinson – Neil
Elizabeth Debicki – Kat
Kenneth Branagh – Andrei Sator
Michael Caine – Michael Crosby
Dimple Kapadia – Priya

Um die gesamte Welt vor dem Untergang zu bewahren, steht dem Protagonisten nur ein einziges Wort zur Verfügung: TENET.
Seine Mission führt ihn in eine zwielichtige Welt der internationalen Spionage, in der die Gesetze der Zeit nicht zu gelten scheinen. Zeitreisen? Nein. Inversion. (Pressetext)

Ein Christopher Nolan Film wird immer mit Spannung erwartet und bislang schaffte es Nolan auch immer, uns. sein Publikum zu begeistern („nicht zu enttäuschen“ wäre einfach zu niedrig gegriffen.) Das liegt an der unglaublichen visuellen Wucht, die uns von der Leinwand entgegen geworfen wird, einer neuen, neuartigen oder auf besondere Weise erzählten Story und dem großem Aufgebot an bekannten Schauspielern.

TENET mach in den ersten zwei Punlten keine Ausnahme. Gefühlt jede zweite Szene ist entweder an sich bombastisch oder einfach vom Effekt unglaublich.
„Wow, wie hat er das denn nun wieder gemacht“ war ein noch häufigerer Gedanke in meinem Kopf, als „Häh, wie löst sich denn das bis zum Schluss des Films noch auf?“

Bei diesem Film ist die Gefahr zu groß, zu spoilern und ehrlich gesagt möchte ich den Zuschauer auch diesen großen und großartigen Eindruck unvorbereitet aufs Gehirn treffen lassen. Davon lebt TENET.
Die verzwickte Story wird für manchen sehr kompliziert sein, aber das ist gut so, denn vielleicht geht der eine oder andere dann noch ein zweites Mal ins Kino und fördert damit ein kleines bisschen die gebeutelte Industrie.

Für mich gibt es eigentlich nur einen kleinen Wermutstropfen: Der Hauptdarsteller, John David Washington, im Film einfach nur der Protagonist genannt, ist etwas blass
Er füllt den Raum (noch) nicht wie sein Vater Denzel Washington, Samuel L. Jackson oder Christian Bale, mit dem Nolan z.B. in den Batman Filmen zusammengearbeitet hat.
Vielleicht ist seine Darstellung aber auch von Nolan so gewünscht, denn der ganze Film ist emotional unterkühlt, passend vielleicht zur Welt der Spionage.

TENET ist ein großes Feuerwerk an viesuellen Reizen und damit perfekt geeignet, den entscheidenden Funken zu sprühen, um die Kinos wieder zu füllen. Ich empfinde es wichtig, dass weiterhin oder endlich wieder große Filme gemacht werden, deshalb gibt es von mir auch die ernste Aufforderung an alle Leser: Gehen Sie ins Kino!

© Johann Hoffmann Bilder: Warner Bros.

Mehr lesen